Paarung, Eiablage und Inkubation

Paarung

Unmittelbar nach Beendigung der Winterruhe beginnt das Männchen, seinen Weibchen nachzustellen. Durch gezielte Bisse in die Vorderbeine und Rammstöße versucht er, die Auserwählte dazu zu bewegen, stehen zu bleiben und ihm das Aufreiten zu ermöglichen.
Das Weibchen scheint zu flüchten, während das Männchen es umringt. Zunächst versucht er es von vorne in die Vorderbeine zu beißen. Wenn es dadurch stehen bleibt, umringt er es und versucht von hinten auf zu reiten. Diese Prozedur wird an mehreren Tagen mehrfach wiederholt.

Ist das Weibchen paarungsbereit, bleibt es stehen und hebt den Panzer hinten leicht an, so ermöglicht es dem Männchen, das Aufreiten.
Das Männchen stützt sich bei der Paarung mit den Vorderbeinen auf den Panzer des Weibchens. Hierbei stellt er sich so auf, dass er beinahe senkrecht hinter dem Weibchen steht.
Bleibt das Weibchen nun stehen, erfolgt meist die einige Minuten dauernde Paarung. Das Männchen gibt dabei mit weit aufgerissenem Maul quietschende und pfeifende Geräusche von sich.

Zur Entlastung der Weibchen, welche in dieser Zeit sehr stark von dem Männchen verfolgt und bedrängt werden, ist es ratsam, gut strukturierte Gehege mit reichlich Sichtbarrieren anzulegen.  Weiterhin sollte eine Gruppe von Thb mindestens aus 1 Männchen und 2 Weibchen bestehen. Ist diese Vorraussetzung nicht gegeben, sollte das Männchen von dem Weibchen getrennt untergebracht sein und nur kontrolliert zusammengeführt werden.


Eiablage

Zur Eiablage bei Landschildkröten wird immer wieder die Anlage eines sog. Legehügels empfohlen.
Bei meiner Gruppe Thb habe ich wie unter Gehege beschrieben, einen Legehügel im Gehege errichtet. Dieser wird von den meisten meiner Weibchen sehr gerne angenommen.
Die Eiablage gestaltete sich in der Vergangenheit meist unproblematisch.
 
Die meisten meiner Weibchen steuern zielstrebig den vorbereiteten Legehügel an und beginnen unverzüglich mit der Legetätigkeit. Mehrere Probegrabungen wie bei T.horsfieldii sind eher selten. Dies kommt meist nur vor, wenn die Weibchen durch Lärm, Unruhe oder andere Weibchen gestört werden.
Problematisch wird es erst, wenn eines der Weibchen sich entschließt, die Eigrube nicht auf dem Legehügel anzulegen. Denn dann gestaltet sich die Suche nach dem Gelege äußerst schwierig, da die Tiere die fertigen Gelege sehr gut tarnen.  
Sollte nach mehreren Tagen die Eiablage immer nicht erfolgt sein, ist das betroffene Tier bei einem Schildkrötenerfahrenen Tierarzt vorzustellen. Er kann durch Abtasten und röntgen feststellen, ob eine Legenot vorliegt und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. 
 
Nach der Eiablage ist es wichtig, den nun sichtlich geschwächten Tieren frisches Wasser zur Verfügung zu stellen. Dieser wird meist ausgiebig zum trinken und baden genutzt.



Inkubation

Nach erfolgter Eiablage warte ich bis das Muttertier die Eigrube verschlossen hat und das Gelege verlässt. Anschließend lege ich das Gelege mit einem Löffel vorsichtig frei. Die Eigrube ist meist birnenförmig. Die Eier liegen fest gepresst in der Erde. Bei der Bergung der Eier ist äußerste Vorsicht geboten. Die Eier sind zwar hartschalig aber trotzdem leicht zerbrechlich. Bei steinigem Erdreich kommt es daher leicht vor, dass ein Ei bei der Bergung angebrochen oder zerbrochen wird.
Wichtig ist, dass die Eier in der Position verbleiben, in der sie sich in der Eigrube befunden haben. Die Eier dürfen nicht gedreht werden. Um ein Verdrehen zu vermeiden, werden die Eier vorsichtig entnommen und mit einem weichen Bleistift markiert.

Zur Inkubation verwende ich einen Flächenbrüter der Fa. Bruja. Diesen habe ich schon im Vorfeld vorbereitet und auf die gewünschte Temperatur eingestellt. Wenn der Brüter mehrere Tage die Temperatur zuverlässig hält, ist er für die Aufnahme der Eier bereit.
Die Eier lege ich in ein mit erdfeuchtem Sand gefüllte Heimchendose, ohne Deckel. Hier werden die Eier in eine kleine Kuhle gelegt, so dass sie nicht versehentlich verdreht werden können.
In die Heimchendose lege ich bis zu 6 Eier, je nach Eigröße. Zwischen den Eiern muß ein Abstand sein, dass sie sich nicht berühren. Ich lege alle Eier so in den Sand, dass deren Oberkante möglichst auf der selben Höhe ist. In dieser Höhe wird die Temperatur gemessen. Bei meinem Brüter 32 Grad. 
 
Als weiteres Messgerät habe ich einen Hygrometer im Brüter liegen. Die Luftfeuchtigkeit sollte ca. 80 – 90 % betragen. Dies wird dadurch erreicht, dass die im Brüter enthaltenen Wasserrinnen gefüllt werden. In der Anfangszeit, wenn der Brüter noch nicht voll mit Eiern bestück ist, ist es erforderlich, zusätzliche Wassergefäße einzubringen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Diese entnehme ich nach und nach, wenn mehr Eier zum bebrüten sind.
 
Im laufe der Zeit trocknet der in den Heimchendosen verwendete Sand aus.  Aus bitterer Erfahrung kann ich sagen, dass der Sand nicht nach gefeuchtet werden darf. Dies führt offensichtlich zu verfrühtem Schlupf der Jungtiere oder zum Absterben des Embryos im Ei.
Unter den genannten Parametern erfolgt der Schlupf der Jungtiere bei meinen Tieren nach ca. 60 – 70 Tagen.
 
Nach dem Schlupf lasse ich die Jungtiere zunächst ausgiebig trinken, was sie auch sehr gerne tun. Anschließend setze ich sie in eine mit feuchtem Küchenpapier ausgelegte Heimchendose. Hier bleiben sie im Inkubator bis der Dottersack komplett eingezogen wurde und sich der Bauchnabel geschlossen hat.
Anschließend werden die Jungtiere gewogen und gekennzeichnet. Dann werden sie in das vorbereitete Jungendfrühbeet umgesetzt.

 

Ergänzung zur Temperaturangabe im Brüter:

Bisher habe ich in den von mir verwendeten Brütern mit Hilfe eines im Labor geeichten Thermometers eine Temperatur von 32 Grad Celsius eingestellt.
Bei Landschildkröten wird die Geschlechterfixierung durch die Höhe der Bruttemperatur beeinflusst. Um bei einem geforderten Geschlechterverhältnis von mindestens 1(m) : 2(w) eine größere Anzahl Weiblicher Tiere zu erbrüten wäre es erforderlich zu wissen, bei welcher Bruttemperatur  mehr Weibchen als Männchen entstehen.

Bei T.hermanni wird eine Schwellentemperatur von ca. 32 Grad angenommen, bei der mehr weibliche Tiere entstehen.