Lebensweise in Freiheit - Seite 3

1.4. Klima

Wie bei der bekannt großen Nord-Süd-Ausdehnung des Verbreitungsgebietes nicht anders zu erwarten, bestehen innerhalb dieses Gebietes deutliche klimatische Unterschiede. Das gilt auch für das Verbreitungsgebiet der Unterart kazachstanica, also für den Bereich von Südkasachstan über Usbekistan hinein nach Turkmenistan. Testudo horsfieldii kommt außerdem in Höhenlagen bis über 2000 m vor, z. B. im Kopet-Dag-Gebirge. In der Regel wird aber das Flachland in 300 – 500 m Höhe bevorzugt. Sehr steile und steinige Hänge werden gemieden. Wer Genaueres über das Klima erfahren möchte, sollte bei www.wetteronline.de die Wetterdaten beispielsweise für Kysil-Orda (südliches Kasachstan), Nukus (nordwestliches Usbekistan), Buchara (südliches Usbekistan) oder Fergana (östliches Usbekistan) abfragen.


1.4.1 Temperaturen

Diese Diagramme stellen die mittleren Höchst- und Tiefstwerte dar. Für einen kleinen Vergleich habe ich die Orte Nukus (Usbekistan), Rom (Italien) und Ulm (Deutschland) ausgewählt. Rom liegt auf der gleichen geografischen Breite wie Nukus.



Wenn wir vergleichen stellen wir fest, dass Nukus und Ulm von November bis Februar ganz ähnliche Höchst- und Tiefsttemperaturen haben. In Nukus steigen allerdings im Frühjahr die Temperaturen steil an und erreichen im Sommer extreme Werte, die auch in Rom nie erreicht werden. Dafür stimmen die sommerlichen Tiefstwerte von Rom mit denen von Nukus recht gut überein. Nukus hat, vor allem in der warmen Jahreszeit, einen sehr großen Unterschied zwischen Höchst- und Tiefstwerten im Tagesverlauf. Dass sowohl Ulm als auch Rom im Bereich des gemäßigten Klimas liegen sieht man daran, dass die Temperaturverläufe sich eigentlich sehr ähnlich sind, auch wenn es in Rom naturgemäß etwas wärmer ist. Der kontinentale Temperaturverlauf von Nukus zeigt sich deutlich in extrem großen jahreszeitlichen und tageszeitabhängigen Schwankungen.

Weitere Temperaturdiagramme aus dem Verbreitungsgebiet zeigen alle diesen kontinentalen Temperaturverlauf. Ganz extrem, vor allem im Hinblick auf die winterliche Kälte ist Balhash am Nordufer des gleichnamigen Sees. Dass Schildkröten diese Kälte überstehen können, erscheint mir kaum glaubhaft. Mit Sicherheit kommen Steppenschildkröten aber südlich des Balhash-Sees vor, im „Siebenstromtal“, einer Region mit nur geringfügig milderem Winterklima.


Steppenschildkröte im Flusstal des Ili, südlich des Balchaschsees
(Mit freundlicher Genehmigung von Ashy Macbean, http://ashycook.topcities.com)


Weitere Temperaturdiagramme