Lebensweise in Freiheit - Seite 8

2. Schlussfolgerungen für die Gefangenschaftshaltung

Die sehr speziellen äußeren Bedingungen können in Gefangenschaftshaltung nur unzureichend nachgestellt werden. Darüber Bescheid zu wissen, erleichtert aber das Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen.


2.1. Gehegegestaltung, Frühbeete, Gewächshäuser

Die Gehegegröße kann nie annähernd an die Verhältnisse in Freiheit herankommen. Steppenschildkröten sind, vor allem im Frühjahr, lauffreudige Tiere, die auch gerne klettern und wir sollten versuchen, die immer mangelhafte Gehegegröße durch abwechslungsreiche Geländestrukturierung wenigstens etwas auszugleichen.

 
Wildlebende Steppenschildkröte in Südtadschikistan, März (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Jan Ševčík, www.sevcikphoto.com)

Wir müssen im Gehege der Steppenschildkröten nicht unbedingt ständig Steppenklima erzeugen, da die Tiere in ihrer Heimat sich diesem sowieso nur die kürzeste Zeit ihres Lebens aussetzen. Unbedingt berücksichtigen müssen wir aber bei der Gehegegestaltung, dass Kunsthöhlen und Grabmöglichkeiten vorhanden sind. Wenn die Tiere diese annehmen, weil sie ihren Bedürfnissen entsprechen (niedrig, Panzer-Deckenkontakt möglich), kann der Grabtrieb sehr gut gesteuert werden. Nässe in diesen Höhlen muss vermieden werden, die Luftfeuchtigkeit dagegen darf dort hoch sein. Schwül-heißes Treibhausklima im Frühbeet ist den Tieren eher unangenehm.  




Die Kleinsten ebenso wie die Großen schätzen einen Unterschlupf. Korkrinde ist sehr gut geeignet. (Bilder: Annemarie Winter)

Nasse Sommer verträgt diese Schildkrötenart schlecht. Obwohl den Steppenschildkröten die ganzjährige Freilandhaltung ebenso gut wie den anderen europäischen Landschildkrötenarten bekommt, müssen wir in unseren Breiten durch das Aufstellen von beheizbaren Frühbeeten und Gewächshäusern unbedingt nachhelfen. Anders als bei der Griechischen Landschildkröte empfehle ich unbedingt, das Frühbeet so anzulegen, dass es von unten trocken bleibt (Drainage durch Kies, Trennschicht) und die Tiere sich auch nicht in den Untergrund weggraben können, wo man sie nur schwer wiederfinden kann.

Weitere Hinweise ergeben sich aus den folgenden Textabschnitten.