Testudo horsfieldii - Einleitung

Vorwort

Ich möchte hier die Geschichte einer männlichen Steppenschildkröte beschreiben, die ich über 30 Jahren bekommen habe. Die Geschichte sollte nicht zur Nachahmung empfohlen werden, da ich bewusst die gemachten Fehler aufführe, um anderen Schildkröten Leiden zu ersparen.
Zum Glück für die Schildkröte weiß ich es heute besser. Ich habe die Haltungs- und Fütterungsbedingungen grundlegend geändert, so dass sich das Wohlbefinden des Tieres augenscheinlich erheblich verbessert hat.
Nachdem ich noch mehrere weibliche Tiere erhalten habe, konnte ich eine schöne Zuchtgruppe bilden, mit der ich bereits mehrfach erfolgreich Nachzuchten erzielen konnte.


Geschichte

Im Alter von ca. 4 Jahren bekam ich meine erste Schildkröte. Sie erhielt den Namen „Peter“.
Damals wurde sie in einem Zoogeschäft in unserer Nähe angeboten. Als ich mit meinen Eltern dort war, entdeckte ich die Schildkröte zwischen vielen anderen in einer Holzkiste. Es waren, soweit ich mich erinnern kann, lauter große, vermutlich erwachsene (adulte) Tiere.
Die Schildkröte wurde bei uns zu Hause zunächst in einem Pappkarton gehalten, welcher mit Heu ausgestattet war. Der Karton stand in einer Ecke im Wohnzimmer auf dem Boden.
» Schildkröten gehören mit entsprechendem Schutzhaus in den Garten.

Ab und zu durfte die Schildkröte frei in der Wohnung laufen. Hierbei kroch sie meistens schnell unter den Kachelofen. Nachdem auffiel, dass dies offensichtlich ihr Lieblingsplatz war, musste sie nicht mehr in den Karton und durfte immer frei in der Wohnung umherlaufen.
» Das frei herum laufen lassen birgt zu viele Gefahren (z.B. Unfälle, Zugluft, Vergiftungen…)

Das Futter, welches aus Löwenzahn, Salat, Apfel und Tomaten bestand, wurde ihr auf einer Zeitung in einer Zimmerecke angeboten.
» Falsches Futter!!! Richtiges Futter siehe Ernährung!!!

So lebte sie bei uns. Und da ich keine Ahnung hatte, wie man Schildkröten richtig hält und auch sonst niemand in unserem Umfeld, blieb das auch eine ganze Weile so. Es schien ihr damals gut zu gehen, so dachten wir zumindest. Sie krabbelte ja schließlich umher, fraß und machte auch fette Pfützen auf den Teppichboden. Wenn die Sonne ins Zimmer schien, setzte sie sich in die Sonne und genoss die Sonnenstrahlen.
Ab und zu wurde sie auch durch die Wohnung gekickt, wenn sie einem unachtsamen Menschen vor die Füße krabbelte oder fiel auch schon mal die Kellertreppe runter, wenn jemand die Türe offen gelassen hatte. Allerdings hatte sie immer Glück in ihrem Unglück und sie verletzte sich dabei nicht.
Im Sommer durfte die Schildkröte an warmen Tagen frei im Garten umher krabbeln. Über Nacht blieb sie auch schon mal draußen, wenn wir sie abends nicht mehr gefunden hatten. Außerdem wusste bald die ganze Nachbarschaft, dass wir eine Schildkröte besaßen. Man brachte sie uns immer wieder zurück, wenn Peter mal wieder unter dem Zaun durchgekrochen und ausgebüxst war.

Wöchentlich wurde die Schildkröte einmal im Waschbecken in lauwarmem Wasser gebadet, anschließend gut abgetrocknet und mit Babyöl eingerieben. Dadurch glänzte ihr Panzer so schön.
» Öl verklebt die Poren!!!

Als es Winter wurde, sollte unser Peter Winterstarre halten. Also wurde er wieder, wie oben beschrieben, gebadet und in einen mit Laub und Heu gefüllten Karton in den Keller gestellt. Sicherheitshalber legten wir noch ein Stück Apfel dazu, falls er zwischendurch aufwachen und Hunger haben sollte.
» Der Magen-/Darmtrakt sollte vor Beginn der Winterstarre entleert werden. Eine Nahrungsaufnahme zwischen durch erfolgt nicht!!!

Täglich kontrollierten wir, ob er endlich schliefe. Aber von wegen! Er krabbelte und krabbelte in seinem Karton umher. Letztlich kratzte er ein Loch in den Karton und marschierte im Keller herum. Nachdem er nicht schlafen wollte, wurde er wieder ins Wohnzimmer geholt. Und so blieb es auch die nächsten Jahre. Heute weiß ich natürlich, warum er nicht schlafen wollte. Es war ihm in unserem Keller einfach zu warm.

Lange Zeit wusste ich gar nicht, um was für eine Schildkröte es sich handelt. Sie wurde als Landschildkröte gekauft und fertig. Es interessierte auch nicht wirklich.
» Zur Artgerechten Haltung ist es unbedingt erforderlich, genau zu wissen, um welche Schildkrötenart es sich handelt!!!

Da die meisten Schildkröten, die in dieser Zeit in den Geschäften zum Verkauf angeboten wurden, aus Griechenland stammten, gingen wir davon aus, dass auch unser Peter ein Grieche war.

Einmal bekamen wir Besuch von einem anderen Schildkrötenhalter. Er meinte, dass es sich um eine russische Art handeln könnte. Unserer Meinung nach konnte das aber gar nicht sein, da es in Russland viel kälter ist als in Deutschland. Wo sollten denn da Schildkröten leben?
So verbrachte die Schildkröte bei uns viele Jahre und geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Sie wurde zwar wie oben beschrieben versorgt, weiteres Interesse bestand aber bald nicht mehr.
»Eltern sollten Tierhalter sein und die Verantwortung für das Tier übernehmen. Kindern können (ihrem Alter entsprechend) bei der Pflege helfen!!!

Ungefähr 1990 wurde mein Interesse für Landschildkröten neu geweckt. So kam es dann auch, dass ich mich näher mit der Materie befasste. Inzwischen hatte sich auf diesem Gebiet sehr viel getan. Es gab Bücher und Haltungsbeschreibungen. Ich besorgte mir Lektüre und ging zu Reptilienstammtischen, um mich näher zu informieren. Des Weiteren hatte ich Kontakte zu anderen erfahrenen Schildkrötenhaltern geknüpft, die mir rasch auf die Sprünge halfen.
Ich war entsetzt, was wir in den letzten Jahren bei der Haltung unserer Schildkröte alles falsch gemacht hatten. Dennoch, sie lebte noch und schien auch lt. Tierarzt gesund zu sein. Allerdings ist sie in all den Jahren nicht ein Stück gewachsen. Der Panzer war flach und glatt. Es gab keinerlei Wachstumsringe.
Inzwischen weiß ich, dass es sich bei unserer Schildkröte um eine männliche Testudo horsfieldii handelt. Er wiegt jetzt ca. 600 Gramm, ist sehr aktiv und leider auch sehr aggressiv, so dass es nicht möglich ist, ihn mit anderen Männchen zu vergesellschaften.