Haltung der t. horsfieldii

T. horsfieldii gilt immer noch als anfälliger undschwer zu haltender Pflegling.Für die Tiere wird häufig eine kombinierte Terrarien- / Freilandhaltung empfohlen, wobei die Empfehlung „Terrarienhaltung“ überwiegt. Das muss nicht sein: Meine Schildkröten werden ausschließlich im Freiland mit Gewächshaus gehalten. Lediglich den Winterschlaf verbringen sie im Haus im Kühlschrank.

Freilandanlage:

In meinem Garten habe ich ein Gehege mit ca. 16 qm Grundfläche angelegt. Das Gehege ist mit beschichteten, ca. 50 cm hohen, beschichteten Metallplatten umzäunt. Die Platten habe ich ca. 10 cm tief eingegraben. Die Platten sind innen glatt. In den spitzen Ecken habe ich Rundpfähle eingeschlagen, um die Platten daran festzuschrauben. Außerdem verhindern die Pfähle das Überklettern der Umzäunung in den Ecken.

» Bei manchen Baumaterialien gelingt es den Schildkröten in den Ecken, die Umrandung zu überklettern. Durchsichtige Umrandungen sind meines Erachtens nach gänzlich ungeeignet, da sie von den Tieren nicht als Hindernis erkannt werden. Maschendraht ist genauso ungeeignet. Hier besteht auch ein hohes Verletzungsrisiko. Die Tiere können sich bei Fluchtversuchen besonders an den Vorderfüßen und Krallen erhebliche Verletzungen zuziehen.

Ein Teil des Geheges besteht aus einer großen sonnigen Rasenfläche mit unterschiedlichen Gräsern. Außerdem habe ich unterschiedliche „Unkräuter“ ausgesät. Diese wachsen im Gras aber eher schlecht.Das Gras wird im Sommer Stück für Stück gemäht, so dass immer ein Teil mit hohem Gras stehen bleibt.
Unter Zuhilfenahme von Holzpalisaden habe ich das ursprüngliche flache Gelände etwas strukturiert, so dass ich verschiedene Höhen erhalten habe. Außerdem habe ich durch Bepflanzung mit Gartenkräutern und sonstigen ungiftigen Zierpflanzen Sichtschutzbarrieren eingebracht.

Immer wieder wird beschrieben, dass vor allem weibliche Tiere ständig von paarungswütigen Männchen gejagt und bedrängt werden. Dies geht z.T. so weit, dass die gestressten Weibchen die Nahrungsaufnahme einstellen, krank werden und verenden, wenn der Halter nicht rechtzeitig eingreift. In solch einem Fall ist eine zumindest zeitweise Geschlechtertrennung vorzunehmen. Am besten sieht man bereits bei der Gehegeplanung eine solche Möglichkeit vor.

Es ist wichtig, das Gehege gut zu strukturieren, verschiedene Ebenen und Sichtschutz zu schaffen, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können, wenn sie das wollen.

Durch den Einsatz der Palisaden ist es gelungen, eine räumliche Trennung vorzunehmen.
Dadurch können sich die kleineren Schildkröten auch in kleineren Gehegen aus dem Weg gehen.



Durch die Strukturierung entstehen auch unterschiedliche Temperaturbereiche, so dass sich die Tiere den für sie idealen Platz aussuchen können. Auch aus diesem Grund habe ich in meinem Gehege verschiedene Materialien für den Bodengrund verwendet.Die unterschiedlichen Materialien erwärmen sich unterschiedlich schnell und stark.

 

An anderen Stellen rupfe ich das Gras einfach komplett aus, so dass eine freie Fläche entsteht, auf der Kräuter gedeihen können.
In anderen Bereichen habe ich Rindenhumus ausgebracht. Hier kommen einzelne Unkräuter durch. Sonst ist der Boden oberflächlich schnell warm und trocken, ohne im Untergrund auszutrocknen.
Letztes Jahr habe ich zwei Säcke feinen Bimsstein ausgebracht. An diesen Stellen trocknet der Boden sehr schnell ab und heizt sich auch schnell wieder auf, so dass nach einem Regenschauer das Wasser rasch versickert und trockene Plätze entstehen.
Außerdem habe ich mehrere Trittplatten verlegt. Diese Platten werden von den Schildkröten sehr gerne zum Sonnenbaden benutzt.

Freiland vor dem Gewächshaus

 

Insgesamt ist in unserer Gegend - am Fuße der Schwäbischen Alb - der Untergrund sehr steinig, kalkhaltig und porös. Dadurch entsteht selbst nach starkem Regen keine Staunässe und Grabtätigkeiten der Schildkröten werden vermindert. Auch darum ist es bei mir nicht erforderlich, die Gehegeumrandung tiefer einzugraben.Ein weiterer Grund ist, dass meine Tiere nicht sonderlich stark graben. Scheinbar ist das Gehege so gut gestaltet und strukturiert, dass sie kein Bedürfnis haben, sich ins Freie zu graben.

Wie man aus anderer Literatur entnehmen kann ist dies bei manchen Gruppen, unter anderen Haltungsbedingungen ganz anders. Z.T. sollen die Tiere Meter tiefe Gänge graben. Dieser Umstand ist bei der Anlage eines eigenen Geheges unbedingt zu beachten.

Gewächshaus:

In dem von mir angelegten Gehege steht ein Gewächshaus mit den Maßen 200 x 150 cm. Im Gewächshaus habe ich wieder eine erhöhte Ebene mittels Palisaden gebaut. Der Bodengrund besteht aus lehmiger Erde. Die Erde wurde von mir nass eingebracht und verdichtet. Nach dem Abtrocknen ist der Boden nun hart. Eigruben, welche häufig in diesem Bereich angelegt werden, bleiben beim Graben weitestgehend stabil.Auf der Erde habe ich mehrere Holz- und Wurzelstücke als Deckung und Sichtschutz verteilt.

 

Die restliche Fläche war ursprünglich mit Gras angesät. Das Gras hielt aber nicht lange, so dass es inzwischen nur noch büschelweise wächst. Weiter säe ich noch verschiedene andere Pflanzen wie z.B. Malve aus. Die Malve schafft im Gewächshaus Schatten und wird von den Schildkröten gerne gefressen, aber nicht abgefressen, da die Stängel zu hart sind.

Abschließend habe ich im Gewächshaus ein Schlafhaus installiert. Es besteht aus Holz und ist ca. 50 cm hoch. Der Deckel lässt sich nach oben aufklappen. Im Haus befindet sich als Bodengrund Erde und Buchenlaub. Das Laub ist sehr gut zum Verkriechen und als Wärmedämmung geeignet.
Das Schlafhaus wird mit einem Spotstrahler beheizt und beleuchtet. Der Strahler ist über eine Zeitschaltuhr gesteuert. Er ist morgens 2 – 3 Stunden, je nach Jahreszeit, in Betrieb.

Weiter habe ich einen Elsteinstrahler installiert, der über einen Thermotimer gesteuert ist. Er hält eine Temperatur von min. 10 Grad aufrecht. Vor dem Haus habe ich über 2 Gehwegplatten 2 Par38-Strahler montiert. Diese werden über einen Thermotimer gesteuert und schalten sich tagsüber ab einer Umgebungstemperatur von 25 Grad ab.
Auf der Platte unter dem Strahler herrscht eine Temperatur von ca. 30 - 40 Grad. Der Abstand wurde dementsprechend gewählt.Auf der Lehmfläche innerhalb des Gewächshauses biete ich mit einem weiteren PAR38-Strahler nochmals eine beheizte Fläche an.Das Umfeld dieser beheizten Fläche wird sehr gerne zur Eiablage benutzt.
  Blick ins Gewächshaus,
rechts der Palisaden
ist der bevorzugte Eiablageplatz.
Die Eigruben werden immer in der Nähe der ausgelegten Holzstücke gelegt.

 

 

 

 

Im Gewächshaus stehen noch einige Pflanzen in Blumentöpfen. Diese bieten zusätzlichen Schatten und Sichtschutz.Diese Pflanzen müssen natürlich auch gegossen werden. Da ich das sehr ausgiebig mache, herrscht im Gewächshaus eine hohe Luftfeuchtigkeit. Der Boden ist die meiste Zeit stellenweise leicht feucht, aber nur kurzzeitig nass.
Ich habe den Eindruck, dass meine Tiere diese Luftfeuchtigkeit lieben. Sie halten sich nach dem Gießen sehr gerne im Gewächshaus auf, obwohl sie, außer an sehr kalten Tagen und in der Nacht, immer die Wahl haben, ob sie sich lieber im Gewächshaus oder im Freiland aufhalten möchten.
An heißen Tagen öffne ich das Dachfenster des Gewächshauses, da es sonst zu einem zu starken Temperaturanstieg kommt. In diesem Jahr werde ich einen automatischen Fensterheber installieren, um eine versehentliche Überhitzung des Gewächshauses zu verhindern.