Krankheiten

• Herpes
T.horsfieldii gilt als Schildkrötenart, die sehr anfällig für manche Krankheiten ist. Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das Herpesvirus. Angeblich sind sehr viele T. horsfieldi gesund erscheinende Träger des Virus. Bei diesem Virus handelt es sich um eine seuchenartige Krankheit, die zum Verlust des gesamten Bestandes führen kann. Man kann Herpes mit AIDS beim Menschen vergleichen, es scheint aber deutlich ansteckender zu sein.Das Virus wird ähnlich wie AIDS verbreitet.
Das Problem an dieser Krankheit ist, dass Tiere jahrelang mit dem Virus infiziert sein können, ohne Krankheitszeichen zu zeigen. Allerdings können sie in dieser Zeit andere Tiere anstecken, welche häufig innerhalb kürzester Zeit verenden. Eine Heilungsmöglichkeit gibt es bisher nicht.

Symptome: Eitriger Zungenbelag, Schluckbeschwerden, Atemnot, Apathie, Schleimausscheidungen aus Nase und Mund, Schlucklähmungen, zentralnervöse Störungen

• Parasiten
Schildkröten, die im Freiland gehalten werden, können sich bei der Nahrungsaufnahme mit Parasiten infizieren. Vogelkot oder Schnecken werden häufig als Quelle solcher Infektionen angesehen. Die meisten Tiere sind mehr oder minder stark mit Darmparasiten belastet. Manche Halter entwurmen ihre Tiere deshalb in regelmäßigen Zeitabständen.
Da ich mir nicht vorstellen kann, dass diese Verfahrensweise den Tieren sehr zuträglich ist, mache ich das nicht. Ich gebe zwei Malim Jahr bei unserem Tierarzt eine Kotprobe zur Untersuchung ab. Erst wenn hierbei eine erhöhte Belastung festgestellt wird, entwurme ich die betroffenen Tiere.Wichtig ist diese Untersuchung bevor die Tiere auf den Winterschlaf vorbereitet werden.
Wahrscheinlich wirkt eine Entwurmung bei horsfieldii im August/September nicht mehr richtig, weil der Stoffwechsel höchstens noch auf halben Touren läuft. Wenn irgendwie vertretbar, entwurmt man Russen, nach meiner Meinung, am besten in den drei Monaten der Hauptaktivitätszeit. Eine solche Entwurmung ist, richtig durchgeführt, so effektiv, dass später im Jahr auch kein Befall vorliegt.
Sollte ein entsprechender Befall festgestellt werden, werden meine Tiere mit Panacur-Suspension entwurmt. Die Dosierung hängt von der Größe des Tieres ab und wird vom Tierarzt festgelegt.

Bislang habe ich sehr gute Erfahrungen mit Panacur gemacht. Es lässt sich auch bei kleinen Tieren gut dosieren.


• Quarantäne

Grundsätzlich müssen Neuzugänge immer einer strengen Quarantäne unterworfen werden. Nur so kann die Einschleppung unangenehmer oder sogar tödlicher Krankheiten in einen gesunden Bestand verhindert werden.
Grundsätzlich ist meine Gruppe komplett. In Ausnahmefällen kann es dennoch vorkommen, dass ich Abgabetiere aufnehme. Die Neuzugänge werden zunächst für die Dauer eines Jahres in einem separaten Quarantänegehege untergebracht.In dieser Zeit werden sie unserem Tierarzt (mit Schildkrötenerfahrung) vorgestellt. Nachdem die Tiere entwurmt und auf Herpes untersucht wurden, werden sie wenn alles in Ordnung ist, nach dem Winterstarre in die bestehende Gruppe integriert.
Das Ende der Winterstarre warte ich trotz negativem Ergebnis in der Regel ab, denn hier treten oftmals latent vorhandene Krankheiten zu Tage, die zuvor nicht zu erkennen waren.
Die Durchführung eines Herpestests geschieht vorzugsweise nach der Umsetzung in ein neues Gehege und nach der Winterstarre, da in dieser Zeit die körpereigene Abwehr geschwächt ist und der Herpes-Antikörpertiter bei infizierten Tieren mit größerer Wahrscheinlichkeit über der Nachweisgrenze liegt.
Während der Quarantänezeit ist streng darauf zu achten, dass eventuell vorhandene Krankheitserreger nicht von einem Gehege auf ein anderes übertragen werden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, Geräte, die im Quarantänegehege benutzt wurden, nicht in einem anderen zu verwenden. Außerdem müssen nach dem Kontakt mit diesen Tieren die Hände und die Arbeitsgeräte sowie das Inventar grundsätzlich gereinigt und desinfiziert werden.

• Sonstige Krankheiten / Unfälle
Bedauerlicherweise kommt es bei der Schildkrötenhaltung immer wieder zu Unfällen, bei denen die Tiere verletzt werden oder sogar sterben. Manche dieser Unfälle hätten vermieden werden können, wenn dem Halter die Gefahr im Vorfeld bewusst gewesen wäre!
Hier möchte ich ein paar häufige Unfallarten aufzählen.

Angriffe von Vögeln, Ratten und sonstigen Raubtieren
Hier ist es besonders wichtig, vor allem bei Jungtieren die Gehege entsprechend gegen das Eindringen dieser Prädatoren zu sichern. Meine Jungtiergehege sind grundsätzlich mit Netzen abgedeckt, da wir sehr viele Krähen und Eichelhäher in der Nachbarschaft haben.
Gegen Rattenangriffe wird man sich kaum schützen können, da diese Tiere fast überall einen Zugang finden, wenn sie wollen.

Hundebisse
Ich glaube zwar nicht, dass Schildkröten in das Nahrungsspektrum von Hunden gehören, dennoch spielen Hunde sehr gerne mit den kleinen Schildkröten. Hierbei kann es zu bösen Bissverletzungen kommen, bei denen der Panzer beschädigt oder Gliedmaßen abgebissen werden.
Komischerweise ist es nie der eigene Hund, der den Schildkröten nachgestellt hat, sondern der vom Nachbarn oder einem Besucher. Also muß man immer mit einem Hundeangriff rechnen, auch wenn der eigene Hund den Schildkröten nichts macht.

Verbrennungen
Besonders durch Lampen, die nur zeitweise in Betrieb sind, kommt es des Öfteren zu Unfällen.
Diese Lampen (z.B. UV-Lampe) werden oftmals mangelhaft befestigt, so dass sie umkippen können. Oder sie werden eingeschaltet und vergessen, so dass es zu einer Verbrennung oder Überhitzung kommt.
Die beste Möglichkeit, die Unfallgefahr zu minimieren liegt darin, die Lampen fest zu installieren und jede Lampe generell mit einer Zeitschaltuhr oder noch besser mit einem Thermotimer zu sichern. So schaltet der Thermotimer die Lampe automatisch ab, wenn sie zu heiß wird oder vergessen wurde.

Vergiftungen
Man liest immer wieder von Tieren, die sich durch giftige Pflanzen verletzt haben oder zu Tode gekommen sind. Generell ist aber darauf zu achten, dass im Gehege nur ungiftige Pflanzen zum Einsatz kommen. Allerdings ist noch nicht geklärt, ob Pflanzen, die für Säugetiere giftig sind dies auch für Reptilien sein müssen und umgekehrt.

Vitamin-A-Überdosierung
Reptilien reagieren sehr empfindlich auf zu hohe Vitamin-A-Gaben. Wenn man mit einem geschwächten Säugetier zum Tierarzt kommt, wird oftmals zunächst eine Vitamin-A-Spritze zur Stärkung des Allgemeinbefindens verabreicht. Die gleiche Dosierung bei einem Reptil angewandt führt meistens zu großflächiger Ablösung der Haut und zum Tod des Tieres. Aus diesem Grund schreibe ich immer wieder, dass ein schildkrötenerfahrener Tierarzt aufzusuchen ist. Fragen Sie bei ihrem Tierarzt ruhig nach, ob er auf diesem Gebiet wirklich versiert ist!!Im Internet werden auf verschiedenen HP die Adressen von empfehlenswerten Tierärzten genannt. Oftmals ist eine längere Anfahrt notwendig, aber sie kann für die Schildkröte lebensrettend sein!
Zu Vitamin-A-Vergiftungen kann es natürlich auch durch ungeeignete Futterzusätze mit hohem Vitamin-A-Anteil kommen.

 

• Rachitis
Vitamin D ist wichtig für die Knochen, Haut und Panzer der Tiere, Der Körper kann zwar selbst Vitamin D produzieren, braucht aber dazu UV-Strahlung. Das Vitamin D ist für den Einbau von Calcium in die Knochen verantwortlich. Es stabilisiert sie. Damit viel Calcium in den Knochen eingebaut werden kann, bewirkt Vitamin D zusätzlich, dass das Calcium bei einer Vitamin D-Unterversorgung aus der Nahrung besser genutzt wird. Bei Schildkröten kann ein Vitamin D-Mangel zu Rachitis führen.
Vitamin D kann vom Körper selbst gebildet werden, jedoch nur mithilfe von UV-Strahlen. Bei Sonnenlicht wird unter der Haut ein chemischer Prozess ausgelöst, der den lebenswichtigen Baustoff erzeugt. Dafür genügt bereits ein relativ kurzer Aufenhalt in der Sonne.

Darum ist es erforderlich, seinen Tieren immer genügen UV-Strahlung zur Verfügung zu stellen. Im Freiland erübrigt sich dieses Problem. Es tritt meist bei Tieren auf, die ganzjährig im Haus gehalten oder falsch ernährt werden.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kalkversorgung durch Sepia- oder abgekochte und zermahlene Eierschalen.

Da meine Erfahrungen nicht auf eigenen Studien beruhen, kann ich in diesem Zusammenhang nur von Erzählungen und Erfahrungen anderer Schildkrötenhalter berichten.

Genauere Informationen zu diesem Thema findet man in Büchern, wie z.B.:
Die Schildkröte in der tierärztlichen Praxis (Dr. U. Eggenschwiler)
Ernährung von Landschildkröten (Carolin Dennert)