Paarung, Eiablage & Inkubation

Paarung

Unmittelbar nach Beendigung der Winterruhe beginnt das Männchen, seinen Weibchen nachzustellen. Durch gezielte Bisse in die Vorderbeine und Rammstöße versucht er, die Auserwählte dazu zu bewegen, stehen zu bleiben und ihm die Paarung zu ermöglichen. Typisch für das Balzverhalten von T. horsfieldii ist das rasche Kopfnicken des Männchens.
Das Weibchen scheint zu flüchten, während das Männchen es umkreist. Wenn die Auserwählte durch die Bisse in die Vorderbeine stehen bleibt, versucht das Männchen von hinten aufzureiten.
Diese Balzrituale werden oft mehrere Tage nacheinander durchgeführt.


Ein Teil des typischen Werbungsrituals
Ist das Weibchen paarungsbereit, flieht es nicht mehr und hebt den Panzer hinten leicht an. So ermöglicht es dem Männchen das Aufreiten.
Das Männchen stützt sich bei der Paarung mit den Vorderbeinen auf den Panzer des Weibchens und steht beinahe senkrecht hinter dem Weibchen.
Bleibt das Weibchen nun stehen, erfolgt meist die einige Minuten dauernde Paarung.
Das Männchen gibt dabei mit weit aufgerissenem Maul quietschende und pfeifende Geräusche von sich. Paarungsversuche können häufig beobachtet werden; erfolgreiche Paarungen dagegen sind wahrscheinlich eher selten.
Dieses Aufreiten kann man auch bei Jungtieren beobachten. Es ist hier kein sicherer Hinweis auf das Geschlecht des Tieres, sondern meist ein Dominanzverhalten.
Zur Entlastung der Weibchen, welche in dieser Zeit sehr stark von dem Männchen verfolgt und bedrängt werden, ist es ratsam, gut strukturierte Gehege mit reichlich Sichtbarrieren anzulegen. Weiterhin sollte eine Gruppe von T. horsfieldii mindestens aus 1 Männchen und 3 Weibchen bestehen. Die Tiere sollten gut beobachtet und kontrolliert werden, denn gelegentlich kommt es zu Verletzungen durch Bisse, die eine zeitweise Geschlechtertrennung notwendig machen können.

Bei meiner Gruppe ließ der Druck des Männchens erst nach, als ich zu ihm vier Weibchen setzte.
Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, sollte das Männchen von dem Weibchen getrennt untergebracht und nur kontrolliert zusammengeführt werden.


Einer von vielen missglückten Paarungsversuchen
Eiablage

Zur Eiablage bei Landschildkröten wird immer wieder die Anlage eines sogenannten Legehügels empfohlen.
Bei meiner Gruppe T. horsfieldii habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Legehügel im eigentlichen Sinne nicht angenommen wird. Meine Tiere legen ihre Eigruben bevorzugt in der Deckung von Grashorsten, Pflanzenbüscheln, Holzstücken oder Steinaufbauten an.

Die Eiablage gestaltete sich in der Vergangenheit unproblematisch. Die Schwierigkeit lag vielmehr immer darin, die Eiablagestelle später zu finden, wenn wir nicht beobachten konnten, wo die Grube angelegt wurde. Die Weibchen tarnen die Eiablagestelle stets sehr gut.


Beim Freigang muss natürlich be-
sonders auf die Schildkröten geachtet werden. Hier hat ein Weibchen
begonnen, eine Eigrube anzulegen.
Eier, die ich nie gefunden hätte,
wenn ich das Tier nicht beobachtet
hätte.
Auffällig ist bei meiner Gruppe, dass es immer wieder vorkommt, dass ein Weibchen ein anderes bei der Eiablage stört und dieses von der fast fertigen Eigrube vertreibt. So kann es sein, dass manche Weibchen über mehrere Tage hinweg mehrere Probegrabungen machen, bis sie endlich eine erfolgreiche Eiablage durchführen. Wird ein Weibchen bei der Eiablage zu sehr gestört, ist es erforderlich, die anderen Tiere für diese Zeit zu separieren.

Sollte nach mehreren Tagen die Eiablage immer noch nicht erfolgt sein, sollte das betroffene Tier beim Tierarzt vorgestellt werden. Er kann durch Abtasten und Röntgen feststellen, ob eine Legenot vorliegt und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.
Nach der Eiablage ist es wichtig, den nun sichtlich geschwächten Tieren frisches Wasser zur Verfügung zu stellen. Dieses wird meist ausgiebig zum Trinken und Baden genutzt.

Die erste Eiablage im Jahr findet bei meiner Gruppe in der Regel Anfang Mai, also vier Wochen nach Ende der Winterstarre statt. Hierbei werden 2 – 5 Eier abgelegt. Größere Gelege hatten wir noch nie. In einer Saison kann ein Weibchen im Abstand von 2 – 3 Wochen bis zu vier Gelegen machen. Meist sind es allerdings 2 – 3 Gelege die pro Weibchen im Jahr abgesetzt werden.

Inkubation

Nach erfolgter Eiablage warte ich, bis das Muttertier die Eigrube verschlossen hat und das Gelege verlässt. Anschließend lege ich die Eier mit einem Löffel vorsichtig frei. Die Eigrube ist meist birnenförmig. Die Eier liegen fest gepresst in der Erde. Bei der Bergung ist äußerste Vorsicht geboten. Die Eier sind zwar hartschalig aber trotzdem leicht zerbrechlich. Bei steinigem Erdreich kommt es daher leicht vor, dass ein Ei bei der Bergung angebrochen oder zerbrochen wird.
Wichtig ist, dass die Eier in der Position verbleiben, in der sie sich in der Eigrube befunden haben. Die Eier dürfen nicht gedreht werden. Um ein Verdrehen zu vermeiden, werden die Eier vorsichtig entnommen und mit einem weichen Bleistift an der Oberseite markiert.

Zur Inkubation verwende ich einen Flächenbrüter der Fa. Bruja. Diesen habe ich schon im Vorfeld vorbereitet und auf die gewünschte Temperatur eingestellt. Wenn der Brüter mehrere Tage die Temperatur zuverlässig hält, ist er für die Aufnahme der Eier bereit.
Die Eier lege ich in ein mit erdfeuchtem Sand gefüllte Heimchendose ohne Deckel. Hier werden die Eier in eine kleine Kuhle gelegt, so dass sie nicht versehentlich verdreht werden können.
In die Heimchendose lege ich bis zu 6 Eier, je nach Eigröße. Zwischen den Eiern muss ein Abstand sein, damit sie sich nicht berühren. Ich lege alle Eier so in den Sand, dass deren Oberkante möglichst auf derselben Höhe ist. In dieser Höhe wird die Temperatur gemessen. Meinen Brüter stelle ich auf 32 Grad ein.

So platziere ich die Eier im Brüter











Als weiteres Messgerät habe ich einen Hygrometer im Brüter liegen. Bei mir beträgt die Luftfeuchtigkeit ca. 80 – 90 %. Dies wird dadurch erreicht, dass die im Brüter enthaltenen Wasserrinnen gefüllt werden. In der Anfangszeit, wenn der Brüter noch nicht voll mit Eiern bestückt ist, ist es erforderlich, zusätzliche Wassergefäße einzubringen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Diese entnehme ich nach und nach, wenn mehr Eier zu bebrüten sind.

Im Laufe der Zeit trocknet der in den Heimchendosen verwendete Sand aus. Aus bitterer Erfahrung kann ich sagen, dass der Sand nicht nachgefeuchtet werden darf. Dies führt offensichtlich zu verfrühtem Schlupf der Jungtiere oder zum Absterben des Embryos im Ei.
Unter den genannten Parametern erfolgt der Schlupf der Jungtiere bei meinen Tieren nach ca. 60 – 70 Tagen.
Nach dem Schlupf lasse ich die Jungtiere zunächst ausgiebig trinken, was sie auch sehr gerne tun. Anschließend setze ich sie in eine mit feuchtem Küchenpapier ausgelegte Heimchendose. Hier bleiben sie im Inkubator bis der Dottersack komplett eingezogen wurde und sich der Bauchnabel geschlossen hat. Dies erfolgt in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
Anschließend werden die Jungtiere gewogen und gekennzeichnet. Dann werden sie in das vorbereitete Jugendfrühbeet umgesetzt.

Ergänzung zur Temperaturangabe im Brüter:

Bisher habe ich in den von mir verwendeten Brütern mit Hilfe eines im Labor geeichten Thermometers eine Temperatur von 33 Grad Celsius eingestellt.

Bei Landschildkröten wird die Geschlechterfixierung durch die Höhe der Bruttemperatur beeinflusst. Um bei einem geforderten Geschlechterverhältnis von mindestens 1(m) : 2(w) eine größere Anzahl weiblicher Tiere zu erbrüten, wäre es erforderlich zu wissen, bei welcher Bruttemperatur mehr Weibchen als Männchen entstehen.
Bei T.hermanni wird eine Schwellentemperatur von ca. 32 Grad angenommen. Oberhalb dieser Bruttemperatur entstehen mehr weibliche Tiere. Allerdings könnte diese Schwellentemperatur aufgrund der wesentlich höheren Umgebungstemperaturen im Heimatbiotop, bei T.horsfieldii deutlich höher liegen.
Soweit mir bekannt ist, liegen für diese Vermutung allerdings noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse vor. Da diese Schildkrötenart in menschlicher Obhut noch nicht so lange nachgezüchtet wird wie z. B. Testudo hermanni, mangelt es an dokumentierten Nachzuchterfahrungen bezüglich Bruttemperatur und Geschlechtsausprägung.